Ein gemeinsames Projekt von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung
+++ Neue Ergebnisse aus der Erhebung 2015 zum Thema Studium für Flüchtlinge +++

HOCHSCHUL­LEITUNGEN BEWERTEN EXZELLENZ­INITIATIVE

10.03.2016

Die aktuelle Befragung des Hochschul-Barometers von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung zeigt, wie die deutschen Hochschulleiter die öffentliche Forschungsförderung beurteilen. Aus Sicht der Rektoren und Präsidenten hat sich das Instrument Exzellenzinitiative für die Spitzenförderung bewährt. Gleichzeitig fordert eine Mehrheit weitere Fördermöglichkeiten durch einen breiteren Exzellenzbegriff, eine stärkere Finanzierung von Kooperation und Transfer sowie einen besseren Zugang zu Mitteln der Forschungsförderung.

EXZELLENZINITIATIVE WIRKUNGSVOLL

Zustimmung zur Exzellenzinitiative Auch 2 von 3 Hochschulen ohne Förderung bewerten die Initiative als wirkungsvoll für das Hochschulsystem insgesamt. 73%

In der Befragung aller Hochschulen, geförderte und nicht geförderte, geben 73 Prozent der Hochschulleiter an, dass es durch die Exzellenzinitiative wirksame Impulse für das gesamte Hochschulsystem gegeben hat. Die Wertschätzung der Initiative bei den geförderten Einrichtungen liegt dabei bei 100 Prozent. Doch auch bei den Universitäten, die nicht durch eine finanzielle Förderung im Rahmen der Förderlinien Zukunftskonzept und Exzellenzcluster profitieren, ist die Zustimmung hoch (82 Prozent). Und sogar eine deutliche Mehrheit der Fachhochschulen (64 Prozent) schließt sich dieser positiven Beurteilung an. Ein Grund dafür: In Deutschland gibt es zu wenige Hochschulen, die im weltweiten Wettbewerb der Wissenschaftseinrichtungen in der ersten Reihe stehen. Nur 22 Prozent der Befragten sehen deutsche Hochschulen international ausreichend wahrgenommen. Die weltweite Strahlkraft universitärer Spitzenforschung zu stärken, war ausdrücklich Ziel der Exzellenzinitiative. Dies ist aus Sicht vieler Beobachter des deutschen Hochschulsystems in den vergangenen Jahren gelungen.

NEUE SCHWERPUNKTE IN DER EXZELLENZINITIATIVE GEWÜNSCHT

Bisher vergibt die Exzellenzinitiative finanzielle Mittel in den drei Förderlinien: Zukunftskonzept, Exzellenzcluster und Graduiertenschulen. Laut aktuellem Hochschul- Barometer sollte dabei der größte Teil für die Förderung exzellenter Forschungsbereiche ausgegeben werden (32 Prozent der Mittel). 21 Prozent sollen für institutionelle Förderung und 19 Prozent für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses eingesetzt werden.

Zusätzlich sollten jedoch umfangreiche Mittel auch in Bereiche fließen, die aktuell nicht in einer Förderlinie erfasst werden. Darunter fällt insbesondere das Themenfeld „regionale Kooperation und Wissenstransfer“, das in der Debatte über die Weiterentwicklung der Initiative bereits von verschiedenen Seiten ins Gespräch gebracht wurde. Würde es eine solche Förderlinie geben, sollten nach Ansicht aller Hochschulleiter 26 Prozent der gesamten Fördermittel dafür verwendet werden. Das ist mehr als jeweils für institutionelle Förderung und Nachwuchs ausgegeben werden soll. Diesen Wunsch gibt es nicht nur bei Fachhochschulen, die diesem Bereich traditionell eine stärkere Bedeutung beimessen. Auch Universitäten sagen, dass rund 20 Prozent der Fördermittel in Transfer und Kooperation fließen müssten. Dazu passt, dass zwei Drittel aller Hochschulen, der Ansicht sind, dass Hochschulen sich stärker als bisher an Innovationsstrategien der Region beteiligen sollen.

Der Bericht der Imboden Kommission, die mit der Evaluation der Exzellenzinitiative beauftragt wurde, empfiehlt dagegen eine solche Förderlinie zu Kooperation und Wissenstransfer nicht. Die Kommission sieht regionale Zusammenarbeit nur dann als förderungswürdig im Rahmen der Exzellenzinitiative an, wenn sie direkt der Spitzenforschung zugutekommt.

ZUSTIMMUNG ZU EINER LEISTUNGSPRÄMIE

Die Imboden-Kommission hat in ihrem Bericht eine Exzellenzprämie als alternative Förderlinie zu den bisherigen Zukunftskonzepten vorgeschlagen. Die Prämie soll an Einrichtungen vergeben werden, die nach bestimmten Kennzahlen der Forschungsexzellenz führend sind. In eine ähnliche Richtung denken die Hochschulleiter für die Forschungsförderung insgesamt. Rund die Hälfte aller befragten Hochschulen findet den Vorschlag sinnvoll, forschungsstarken Hochschulen mehr regelmäßige Zuschüsse ohne Antragsverfahren zu gewähren. Nur ein Drittel lehnt ihn ab (31 Prozent). Bei Universitäten sowohl aus der Exzellenzinitiative als auch bei nicht geförderten Universitäten ist die Zustimmung ähnlich hoch (60 Prozent und 56 Prozent). Fachhochschulen, deren Profile meist weniger forschungsorientiert sind, stimmen etwas seltener zu (46 Prozent).

Unterschiedliche Prioritäten in der Forschungsförderung
Anteil der Hochschulleiter, die einer Aussage zur öffentlichen Forschungsförderung zustimmen oder ablehnen, nach Hochschulgruppen, in Prozent.
Der innere Ring stellt die in der Exzellenzinitiative geförderten Universitäten dar, der äußere die in der Exzellenzinitiative nicht geförderten Hochschulen.
In der Gruppe „geförderte Hochschulen“ sind die Universitäten mit Zukunftskonzept oder Exzellenzcluster zusammengefasst.

Quelle: Stifterverband Hochschul-Barometer 2015

ERGÄNZUNGEN ZUR EXZELLENZINITIATIVE GEFORDERT

Die Förderung von Hochschulen darf sich aus Sicht der meisten Hochschulleiter nicht auf Spitzenforschung beschränken. Sie sollte aber durchaus leistungsorientiert sein. Exzellente Leistungen sollten dabei auf verschiedenen Aufgabenfeldern der Hochschulen unterstützt werden. Für 81 Prozent der Befragten muss deshalb der Exzellenzbegriff unterschiedliche Profile wie Forschung, Lehre und Transfer berücksichtigen. Hier stimmen Fachhochschulen (90 Prozent) allerdings deutlich häufiger zu als Universitäten (55 Prozent). Bei Universitäten der Exzellenzinitiative teilt diese Forderung nur noch eine Minderheit von 27 Prozent.

Eine große Mehrheit (73 Prozent) der Rektoren und Präsidenten spricht sich zudem dafür aus, dass es eine breitere Beteiligung der bisher unterrepräsentierten Hochschultypen an der Forschungsförderung gibt. Davon würden insbesondere Fachhochschulen, spezialisierte Hochschulen sowie private Einrichtungen profitieren. Universitäten sehen dagegen eher keinen Handlungsbedarf (12 Prozent).

Insgesamt gibt es in Deutschland ein breites Spektrum an Instrumenten zur Förderung von Hochschulen. Von der Exzellenzinitiative profitieren dabei nur wenige Hochschulen direkt. Dennoch wird sie von einer großen Mehrheit der Hochschulen als wirksam für das System insgesamt erachtet. Mit Blick auf die differenzierten Hochschulprofile in Deutschland gibt es jedoch gleichzeitig auch die Erwartung, andere Aufgaben von Hochschulen in Zukunft entsprechend zu würdigen und zu fördern.

Weitere Ergebnisse aus dem Hochschul-Barometer erscheinen im Laufe des Jahres.