Hochschul-Barometer

Lage und Entwicklung der Hochschulen aus Sicht ihrer Leitungen
Ein gemeinsames Projekt von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung

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Die Hochschulen in Deutschland gewinnen Gestaltungsspielräume. Durch ihre Profile in Forschung, Lehre und Wissenstransfer beeinflussen sie Innovationsprozesse und gesellschaftliche Entwicklungen. Doch wohin steuern die Hochschulen? Wie wirken sich die Strategien der Partner aus Wirtschaft und Politik auf die Hochschulentwicklung aus?

Das Hochschul-Barometer des Stifterverbandes gibt seit 2011 Antworten aus Sicht der Hochschulleitungen. Jährlich analysiert es die Einschätzungen der Rektoren und Präsidenten zur aktuellen Situation und ihre Erwartungen für die nahe Zukunft. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die differenzierte deutsche Hochschullandschaft. Das Hochschul-Barometer ergänzt damit als Expertenvotum und Stimmungsbarometer die Daten der deutschen Hochschulstatistik.

 

Erste Ergebnisse des Hochschul-Barometers 2019

Hochschulen öffnen sich für Innovationsprozesse

Der enge und wechselseitige Austausch von Hochschulen mit Akteuren aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ist ein wichtiger Motor für Innovationen und stärkt die Basis einer modernen Wissensgesellschaft. Vor dem Hintergrund neu entstehender Konzepte der Zusammenarbeit verschiedener Akteure im Rahmen von Open Science und Open Innovation hat der Stifterverband die Hochschulen zu aktuellen Entwicklungen befragt.
 

Mehrheit der Hochschulen forscht mit Partnern aus der Wirtschaft zu gesellschaftlichen Herausforderungen

Das Hochschul-Barometer 2019 bestätigt, dass die große Mehrheit der deutschen Hochschulen (71 Prozent) an Innovationsverbünden beteiligt ist. Dort arbeiten verschiedene wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Partner gemeinsam an übergreifenden Forschungsthemen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Beispiele für Strukturen von Innovationsverbünden sind Cluster-Initiativen oder Industry-on-Campus-Modelle. Gemessen an den strategischen Innovationsfeldern, die die Hightech-Strategie der Bundesregierung als wegweisend für den Standort Deutschland benennt, beteiligen sich die Hochschulen am stärksten an Verbünden zu den Themen "Nachhaltig Wirtschaften und Energie" sowie "Digitale Wirtschaft und Gesellschaft". Fast jede zweite Hochschule ist jeweils in entsprechenden institutionalisierten Innovationspartnerschaften aktiv. Unter den Hochschultypen sind staatliche Hochschulen, vor allem die Universitäten, viel häufiger an diesen Verbünden beteiligt als private oder spezialisierte Hochschulen.

 
Hochschulen offen für neue Kooperationsformen

Neben der thematischen Ausrichtung entwickelt sich auch die Art und Weise der Zusammenarbeit von Hochschulen mit Unternehmen und der Zivilgesellschaft immer weiter.

Nach Meinung der Hochschulleitungen zeichnet sich aktuell ein Paradigmenwechsel ab. Traditionelle Transferansätze zwischen Hochschulen, Unternehmen und gesellschaftlichen Gruppen begreifen Hochschulen als Ort der Forschung und die Partner als Verwerter fertiger und zum Teil patentierter Forschungsergebnisse. Ein neueres Verständnis sieht dagegen eine strategische Öffnung von Forschungs- und Innovationsprozessen (Open Innovation) vor. Hier werden die Partner in Forschungsprozesse einbezogen. Forschungsideen werden gemeinsam entwickelt, die Wissens- und Ideenbasis erweitert, die Ergebnisse anschließend partnerschaftlich verwertet. Das Hochschul-Barometer 2019 zeigt, dass bereits zwei von drei staatlichen und jede dritte nicht-staatliche Hochschule neue Kooperationsformen für die Zusammenarbeit mit Unternehmen und/oder mit der Zivilgesellschaft ausprobieren. Beispiele sind Innovationsplattformen, Crowdsourcing-Projekte, Reallabore oder Co-Creation-Labs.

 

Hochschulen für neue Indikatoren zur Erfolgsmessung von Kooperation und Transfer

An vielen Hochschulen fehlt es jedoch noch an interner wie externer Sichtbarkeit dieser Forschungs- und Transferleistungen. Vor dem Hintergrund dieser neuen Kooperationsformen und eines erweiterten Verständnisses von Transfer stehen Hochschulen deshalb vor der Herausforderung, Transfer mit seinen oftmals diversen Interaktionen mit verschiedenen Teilen der Gesellschaft zu erfassen und geeignete Kriterien für die Bewertung zu finden.

Das Hochschul-Barometer 2019 zeigt, dass Transfer nicht mehr nur noch im Sinne eines klassischen Technologietransfers verstanden wird. So bewerten acht von zehn Hochschulleitungen wissenschaftskommunikative Maßnahmen und gesellschaftliches Engagement als wichtige Indikatoren für Transfererfolg. Traditionelle und regelmäßig erfasste Transferindikatoren zu Gründungen und Schutzrechten (Patente) werden weniger häufig als wichtig für den Transfererfolg genannt. Das zeigt, dass Hochschulen ihr Transferverständnis weiten, und nicht nur Technologietransfer sonders den umfassenderen Austausch mit der Gesellschaft als Transferaufgabe wahrnehmen.

 
Die Weiterentwicklung der Hochschullehre ist ebenfalls Thema des Hochschul-Barometers 2019: Aus Sicht der Hochschulleitungen kommen die Impulse für die Weiterentwicklung vor allem aus den Hochschulen selbst. Die Prozesse finden dabei sowohl top-down als auch bottom-up statt.
Mehr Info

Die vollständige Ausgabe des Hochschul-Barometers erscheint im Herbst 2019.

 

Zentrale Ergebnisse des Hochschul-Barometers 2018

Insgesamt ist die Stimmung unter den Rektoren und Präsidenten eher positiv. Der Blick in die Zukunft fällt etwas optimistischer aus als im Jahr zuvor. Die aktuelle Situation bewertet die Mehrheit der Leitungen ähnlich positiv wie im Vorjahr. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch stark nach einzelnen Indikatoren sowie nach Hochschultyp, Trägerschaft und Größe.

Das Hochschul-Barometer ist Teil der gemeinsamen Initiative Innovationsfaktor Hochschule von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung.